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Gigant auf Rädern


Transport des schwersten Gussteils mit einem Gesamtgewicht von 588 Tonnen
So schwer war noch keiner: Das 300 to schwere Pressenoberteil, das vor zwei Wochen mit dem Schiff an der Weserumschlagstelle angekommen war, soll in der Maschinenbaufirma bearbeitet und dann zu einer Stahlfirma in Völklingen gebracht werden. Dort wird es mit weiteren Teilen, die ebenfalls in Hess. Lichtenau bearbeitet werden, zur größten Schmiedepresse Europas zusammengebaut. Sie stellt Turbinen für Kraftwerke her.



Sicherheit ist bei dem Transport groß geschrieben: Detlev Irtenkauf vom TÜV aus Hall ist in Hann. Münden dabei, um alle Fahrzeugelemente zu überprüfen. Ihm über die Schulter schauten Experten der Polizeidirektion Hannover: "Wir kontrollieren Bremsen, Reifen, Zugverbindung, Achslasten und das Gesamtgewicht." Danach kamen die Tieflader auf die Waage - mit und ohne Beladung. Immer mit dabei: Thorge Clever, Projektleiter der Spedition.



Der Transport fährt einige 100 m zur Umladestelle, wo das Pressenoberteil auf dem Tieflader gedreht werden muss

Das riesige Gussteil wird angehoben und so austariert, dass der Tieflader unter dem in der Luft hängenden Schwergewicht rangiert werden kann. Dann wird es wieder punktgenau aufgesetzt. Das ist Millimeterarbeit.



Der acht Meter messende Stahlkoloss ragt jetzt beiderseits über den drei Meter breiten Tieflader. Danach geht es im Konvoi durch die Stadt Hann. Münden. Zentimeter genaues fahren ist angesagt.

Die Autobahn A7 ist komplett gesperrt. 18 to Achsdruck sind für die Werratalbrücke und auch für andere Brücken auf der A 7 zu viel.



Auf der Autobahn muss die Last von 300 to, die bis jetzt auf 22 Achsen rollt auf eine viel größere Fläche verteilt werden. Deshalb wird der Tieflader mit weiteren Achsen auf das Dreifache verbreitert.

Die äußeren Achsen des 10,30 m breiten Tiefladers rollen dann direkt auf dem Hohlkastenträger der Werratalbrücke.



Weil die Werratalbrücke an die Grenzen des technisch Möglichen belastet wird, muss Frieder Saam den Tieflader mit 30 Meter Abstand ziehen: Ein Stahlseil wird statt der Deichsel eingespannt. Eine weitere Zugmaschine ist wieder durch ein Seil mit der ersten Zugmaschine verbunden.

Die Werratalbrücke ist ca. 600 m lang, ca. 100 m hoch und hat einen Stützabstand von 96 m. Die äußeren Achsen des 10,30 m breiten Tiefladers rollen dann direkt auf dem Hohlkastenträger der Werratalbrücke.



Nach der Brücke steht eine achtprozentige Steigung an. Das Stahlseil wird entfernt, drei Maschinen ziehen, eine schiebt. 2340 PS ziehen und schieben das Gesamtgewicht von 588 Tonnen nun den Berg hinauf.

Nach insgesamt vier Autobahnbrücken baut das Kübler-Team die Spezialträger und die seitlichen Achsen wieder ab. Die Mittelleitplanke ist abmontiert, Saam kreuzt die Autobahn fährt zuerst in Gegenrichtung und biegt auf die Ausfahrt Kassel-Ost ein.



Danach fahren alle zügig nach Hessisch Lichtenau zur Firma Richter, wo sie im Morgengrauen eintreffen. Die Firma Richter als Empfänger des Gussteils bedankt sich mit einem kräftigen Frühstückbuffet am Sonntag morgen bei allen Beteiligten.

Weitere Berichte und Videos:
vom Transport am 20. Juni 2009