Projekte & Referenzen


Es sollte ein 85 t schweres Ausflugschiff mit den Maßen 31,50 x 6,00 x 6,50 m zum Moldaustaussee bei Lipno nad Vltavou transportiert werden. In der Regel wird bei einem solchen Schiff für den Straßentransport das Oberdeck demontiert, damit die Höhe gut transportabel ist. Allerdings handelte es sich hier um ein gebrauchtes Rheinschiff, was für so eine Trennung nicht vorbereitet wurde und es somit ein riesiges Problem wäre, das Oberdeck abzutrennen.Schiffstransport Spedition Kübler nach Linz

Also entschloss man sich, zusammen mit dem Kunden die Machbarkeit und “Bezahlbarkeit” zu untersuchen. Bei einer Transporthöhe von 7,50 m sind die Nebenkosten sehr erheblich.
Nach nur zwei Wochen stand fest, dass es eine Route ab Linz in Österreich gibt, welche “nur” noch genehmigt werden muss. Die Gesamtabmessungen betrugen nun 214 t Gesamtgewicht und 52,80 m Länge, 6,00 m Breite und 7,50 m Höhe.

Schiffstransport Spedition Kübler nach LinzZusammen mit dem Kunden und vielen Fürsprechern aus der Politik wurde dann das Unmögliche möglich gemacht:
Der Transport konnte Mitte April tatsächlich starten, wobei einige Brücken und Ortsdurchfahrten umgangen werden musste. Daraus resultierte eine Hindernisfahrt über kleinste Straßen und Feldwege, sogenannte Güterwege.

Montags wurden bereits die beiden großen 400t-Autokrane aufgebaut, um das Schiff “ehem. MS Marksburg” aus der Donau zu heben. Dies geschah nicht im Hafen von Linz, sondern an einer Uferstelle bei Plesching, direkt auf dem Jakobs-Pilgerweg. So konnte die Demontage großer Wegweiser auf der Autobahn eingespart werden, welche ab dem Hafen im Wege gestanden wären.

Dienstags wurde dann pünktlich um 13:00 Uhr die Donau gesperrt und das Schiff kreuzte aus der Hafenausfahrt zum gegenüberliegenden Ufer. Dort wurde es dann mit den beiden Kranen und speziellem Traversengeschirr verladen. Für den Straßentransport hatte die Spedition Kübler einen 12-achsigen Anhänger mit speziell zusammen gestelltem Hochbett bereitgestellt.

Nachdem die Transportsättel entsprechend angepasst und die Ladungssicherung angebracht waren, stand die erste Transporthürde bevor:
Vom Radweg am Donauufer aus musste eine steile Natursteinrampe überwunden werden. Hierfür setzte Kübler zusätzlich zur Mercedes-Benz Actros SLT 4160 noch einen MAN TGA 41.660 ein. Aufgrund der nassen und schlammigen Oberflächen wäre sonst nicht genügend Traktion vorhanden gewesen. Unter ständiger Kontrolle der Bodenfreiheit und hydraulischem Achsausgleich wurde dann die Senke und Kuppe der Rampe ohne Schwierigkeiten passiert.

Um 22:00 h setzte sich dann der Konvoi aus unzähligen Begleitfahrzeugen in Richtung Linz in Bewegung. In der Stadt waren alle Ampeln, Signalausleger, Lampen und Kabel zu demontieren. Nachdem diese Hindernisse durch ein Streckenbericht der Firma Kübler protokolliert waren, leistete die Firma Fellner Roadsecurity aus A-Haag ganze Arbeit und organisierte in unzähligen Ortsterminen alle Nebenarbeiten. Auch die Absicherung wurde komplett den Straßenaufsichtsorganen der Firma Fellner übertragen.

Schiffstransport Spedition Kübler nach LinzAußerhalb der Stadt Linz wurde die ganze Streckensperrung, Verkehrsumleitung und Absicherung ohne Polizei und einzig durch private Begleiter der Fa. Fellner ausgeführt. Dies wäre in Deutschland undenkbar, aber wünschenswert ! Immerhin kennt sonst niemand die Strecke so gut, wie derjenige, der sie organisiert hat. Da ist klar, dass hierzulande die begleitende Polizei manchmal etwas überfordert ist. Zumal öfters die begleitenden Beamten erst kurz vor dem Einsatz eingeteilt werden und sich gar nicht vorbereiten können. Höhepunkt war das Queren einer Straßenbahnlinie. Alle Leitungen mussten demontiert werden, weshalb bereits seit dem frühen Abend Busse im Schienenersatzverkehr eingesetzt werden mussten.
Morgens um 04:00 h kam der Transport an der Linzer Stadtgrenze an und man konnte zunächst das Hotel aufsuchen und neue Kraft tanken.

Schiffstransport Spedition Kübler nach LinzAm späten Vormittag des nächsten Tages setzte die Mannschaft wieder die Fahrt fort. Diesmal mit den neuralgischen Punkten in Helmonsödt. Dort waren enge Kurven und Bebauungen zu durchfahren. Alle Punkte hatte sich zuvor Transportleiter Frieder Saam angeschaut und vermessen. Jetzt galt es, alle zeichnerischen Lösungen in die Tat umzusetzen. Dank der sehr guten Zusammenarbeit des Kübler-Teams konnten alle Engpässe zentimetergenau durchfahren werden. Kein Millimeter wurde beim Nachlenken verschenkt und alle Passagen konnten schadenfrei durchfahren werden.

Weiter ging es über Reichenau bis Bad Leonfelden. Auf dem dort abgesperrten Pausenplatz erwartete bereits ein großer Teil der Bevölkerung den Transport. Zum Dank, dass bis hierher an dem Gemeineigentum keine Schäden entstanden waren wurde die Mannschaft sogar vom Bürgermeister des Ortes zum Abendessen eingeladen. Wir sagen nochmals Danke schön!

Mittwochmorgen startete man zur dritten Etappe. In Bad Leonfelden galt es nun, einen kleinen Kreisverkehr in der Ortsmitte zu passieren. Dazu musste zum wiederholten Male die Fahrtrichtung gewechselt werden. Eigentlich wäre diese Rangierfolge in 10 Minuten getan gewesen. Aber man hatte nicht mit der regen Teilnahme der Bevölkerung gerechnet: Der gesamte Ort erwartete den Transport am besagten Kreisverkehr. Sogar die Schulen und Kindergärten wurden geschlossen und alle Klassen machten einen Ausflug zum Schiffstransport.

Nach den offiziellen Grußworten des Bürgermeisters durften auch die am Transport Beteiligten kurz Ihre Eindrücke per Mikrofon und Lautsprecher an die Schaulustigen weitergeben. Danach kam der eigentliche Höhepunkt des Stopps: Über Nacht war aus der MS Marksburg die MS Adalbert Stifter geworden. Neue Namen prangten am gewaltigen Heck. Nun wurde noch der Pfarrer des Ortes samt Blaskapelle gebeten, das Schiff zu segnen. Nach dieser feierlichen Prozedur konnte der Tross mit einer Stunde Verspätung seine Reise fortsetzen.

Trotzdem pünktlich um 14:00 Uhr traf der Konvoi an der Grenze Guglwald zur Tschechischen Republik ein.
Dort wartete bereits die tschechische Polizei und andere Begleiter und die Firma Fellner konnte den Staffelstab nonstop weitergeben.

Die letzten neun Kilometer bis zum Moldaustausee waren noch mal eine Geduldsprobe. Die Wege wurden immer schmaler und einige Äste mussten abgeschnitten werden. Aber nach weiteren fünf Stunden Sägerei war das Ziel für den Tag erreicht: Der Anleger der PKW-Fähre Frydava – Frymburk, welche Ihren Dienst für diese Zeit eingestellt hatte.

Am Freitag wurde dann das Schiff auf die mobile Schiffshelling hydraulisch abgesetzt. So eine Prozedur dauert fast den ganzen Tag und bedarf sehr genauer Planung hinsichtlich Hebehöhe, Unterbau und Tauchverhalten beim Einwassern.
Am frühen Abend kündigten die Lufthörner der Zugmaschinen mit lautem Ton den Stapellauf an und kurze Zeit später glitt das Schiff auf der Helling fast geräuschlos aber mit riesiger Bugwelle in den Stausee.

 

Aber die Arbeit war noch nicht getan: Erst nachdem die Helling aus dem Wasser gezogen war und alles abfahrbereit verladen worden ist, konnte die Kübler-Mannschaft zum Wochenende nach Hause fahren. Montags war man wieder vor Ort: Denn der leere LKW darf ja in Deutschland freitags ab 15:00 h nicht mehr fahren, weshalb eine Pause bis zum Montagmorgen vorgesehen wurde.

Die Firma Kübler dankt allen Behörden, seinem Kunden und allen Beteiligten für die super Hilfestellung. Ohne die große Einsatzfreude aller Verkehrstechniker, Begleiter, Signalbaufirmen, Telefonbaufirma, Stromversorger, Straßenmeistereien, Bauunternehmer, Stahlbaufirmen, Landschaftsgärtner, Behörden und Bürger wäre dieser Transport nicht so einfach durchführbar gewesen!

Top