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Von den Spezialisten bei Kübler wurde der Hafen Wörth als der beste Hafen ermittelt.

Von hier würde man mit den wenigsten Demontagen nach Sinsheim kommen. Die komplette Planung konzentrierte sich auf diese Strecke. Streckenvermessungen, Verhandlungen mit Behörden usw. begannen.
Beim Zerlegen in Moskau stellte sich dann heraus, daß das größte Teil mit einer Länge von 48,30 m und einer Breite von 8,90 m zu hoch für die Strecke ist.

Jetzt läuteten im Schwabenland die Alarmglocken. Bei diesen riesigen Abmessungen war auf der Strecke uber Karlsruhe kein Zentimeter mehr Luft. Die Spezialisten buchten einen Flug zum Hafen nach St. Petersburg, wo das Flugzeug von dem Binnenschiff auf ein Küstenmotorschiff umgeladen wurde. Dort sollten Lösungen gesucht werden, um die Höhe auf das ursprüngliche Maß von 3,30 m zu reduzieren.

Bei der Besichtigung war schnell klar, daß die angenieteten Triebwerkskästen mit einer Länge von 22 m und einer Breite von 8,70 m nicht zu demontieren waren. Zeitgleich wurden in Deutschland von den Spezialisten aus dem Kochertal mit Hochdruck Ersatzstrecken gesucht. Das Küstenmotorschiff war unterwegs Richtung Westen. Jetzt war Eile geboten. Schon am Folgetag nach der Besichtigung in St. Petersburg wurde ein Ortstermin mit allen Beteiligten Behörden, mit der Polizei, dem Auftraggeber und dem Kranunternehmer vor Ort in Heilbronn vereinbart. Das Heilbronner Schwergutkai ist die einzige Hafenanlage in Süddeutschland, wo solche riesigen Teile umgeschlagen und wegtransportiert werden können. Bei der Vermessung wurde aber schon festgestellt, daß viele Hindernisse, wie zum Beispiel 50 cm dicke Bäume, Betonlaternen, Leitplanken, Ampeln und Straßenschilder demontiert werden müssen. Um die Genehmigungen in der kurzen Zeit zu bekommen, war es notwendig, alle Beteiligten innerhalb von Stunden unter einen Hut zu bringen. Die beteiltigten Behörden machten das Unmögliche möglich.

Um den riesigen Rumpf ins Museum Sinsheim zu bringen, war es erforderlich, daß die Autobahn voll gesperrt wurde. Die 4 großen Teile, mit Breiten bis 10,28 m, mußten mit 2 großen, im Museum stehenden Kranen direkt von der Autobahn aus abgehoben werden. Die Bedingung war, daß der Vorgang nur bei verkehrsarmer Zeit am Sonntag früh zwischen 3:00 Uhr und 6:00 Uhr stattfinden mußte. Das Wetter machte auch dieser Planung einen Strich durch die Rechnung. Orkanartige Stürme mit Windstärke 10 auf der Nordsee machten ein pünktliches Auslaufen aus dem Nord-Ostsee-Kanal unmöglich. Der Termin verzögerte sich um weitere 3 Tage. Am folgenden Wochenende war ein Umschlag im Schwergutkai unmöglich.

Die Zwischenlagerung der riesigen Teile war undenkbar. Auch hier wurde bei einem weiteren, innerhalb von wenigen Stunden angesetzten Behördentermin, eine Lösung gefunden. Die Arbeit mit flexiblen deutschen Behörden kann wunderbar sein. Die Leitplanken auf der Autobahn im Entladebereich werden auf eine Länge von 40 m entfernt, so daß der Tieflader ganz nach rechts rangieren kann und der Überholstreifen für den fließenden Verkehr frei bleibt. Wenn dies funktioniert, bekommen wir grünes Licht innerhalb von wenigen Tagen. Wenige Tage vor dem Transport war alles organisiert.

Jetzt mußte nur noch jeder minutiös geplante Schritt eingehalten werden und jeder seine Arbeit tun. Ständig neue Überraschungen, wie Niedrigwasser auf dem Rhein, eine Havarie des Neckarschiffes bei der Anfahrt und andere Vorkommnisse mußten flexibel gehandhabt werden. Das Umladen des Schiffes von dem Kümo auf das kleinere Neckarschiff konnte dann doch noch am Montag pünktlich von der Firma Scholpp erledigt werden.

Am 7.11.2000 wurde dann der Flieger von dem Neckarschiff im Heilbronner Schwergutkai auf die Tieflader umgeschlagen. 2 Großkräne von Scholpp Heilbronn setzen die Teile auf 4 Tieflader der Spedition Kübler. Um 13:30 Uhr beginnt der schwierigste Teil der Reise bis zur 5 spurigen Karl Wüst Straße. Dort wird in Straßenmitte abgestellt. Um 22:00 Uhr geht die Reise weiter auf die 4-spurige B 27. Dort wird entgegengesetzt der Fahrtrichtung gefahren, bis zur Autobahnauffahrt Neckarsulm, die auch auf der Gegenfahrbahn befahren wird. Erst auf der Autobahn A 6, die voll gesperrt wird, werden die Mittelleitplanken entfernt, so daß die Tieflader wieder auf die richtige Bahn Richtung Mannheim kommen können. Die für diese riesigen Abmessungen sehr schwierige Strecke konnte mit dem Scheuerle Interkombi ohne Rangieren und ohne einen Zentimeter rückwarts zu fahren bewältigt werden.

Nach ca 20 km stoppt der große Rumpf auf dem Parkplatz bei km 616 erneut, um die hochgesetzte Last tiefer zu setzen. Auf dem ersten brückenfreien Streckenteil war eine große Bodenfreiheit wichtig, um Hindernisse wie Geländer und Leitplanken nicht zu beschädigen. Die Gesamthöhe von nahezu 6,0 m ist aber für die nächste Brücke zu hoch. Deshalb muß das Flugzeug auf dem Parkplatz mit der Fahrzeughydraulik tiefer gesetzt werden, auf eine Gesamthöhe unter 5,00 m. Die anderen 3 Fahrzeuge werden während dieser Zeit direkt von der Autobahn entladen. Als Zeitvorgabe wurde mit dem Regierungspräsidium 30 Minuten fur das Entladen der 3 breiten Fahrzeuge vereinbart. Das eingespielte Team schaffte die Entladung der 3 Fahrzeuge in 24 Minuten. Anschließend kann der Stau abfließen, bis der Rumpf tiefergesetzt ist. Dann fährt der große Tieflader von dem Parkplatz bis zu der Brücke nach der Ausfahrt Steinsfurt. Hier wird das Fahrzeug für die Brückendurchfahrt dann hydraulisch abgesenkt. Die Bodenfreiheit an den Triebwerkskästen wird dabei minimiert auf wenige Zentimeter. Nach dem Durchqueren dieser niedrigen Brücke sind noch ca. 500 m Autobahnfahrt zu bewältigen, dann kann der Transport in dem vorbereiteten Platz, wo die Leitplanken entfernt wurden, einparken, so daß die Überholspur wieder befahren werden kann. Die TU 144 wird von der Kranfirma Scholpp mit einem 300 to und einem 500 to Kran entladen. Der Tieflader fährt leer ins Museum und nimmt seine Last wieder auf, um dann bei Tageslicht zwischen den ausgestellten Flugzeugen hindurchzuzirkeln.

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