A380 Schwertransport - Spedition Kübler

Schon die Planung war eine Herausforderung

Bereits Mitte 2012 erhielt Kübler eine interessante Transportanfrage vom Flugzeugbauer Airbus. Es sollte die Transportmöglichkeit von Bausektion des Großraumflugzeuges A 380 geprüft werden. Bei 8,50 m Breite und 9,30 m Höhe kein leichtes Unterfangen auf der Relation Dresden – Hamburg.

Obwohl Kübler bereits im Jahre 2004 einen ähnlichen Transport ausgeführt hatte, wurden sofort neue Streckenstudien gemacht. Denn durch den zwischenzeitlichen Neubau einer Schwergutverladeanlage am Dresdner Hafen und baulichen Veränderungen an der Strecke musste ein neues Konzept ausgearbeitet werden.

Für das größere Mittelsegment wurden zwei 14-achsige Scheuerle Intercombi Plattformwagen nebeneinander quergekuppelt. Dadurch erhielt die Transporteinheit eine gute Seitenstabilität ohne Kippgefahr. Allerdings wuchsen die Transportgesamtabmessungen damit auf 215,0 t Gesamtgewicht, 38,00 m Länge und problematischen 8,50 m Breite und 10,30 m Höhe.

Wegen der engen Strecke wurde zusätzlich der Powerbooster mit Antriebsachsen eingebaut. Dies ermöglicht das Rangieren auf engstem Raum ohne Zugmaschinen.

Schnell war klar, dass man den Transport nur mit erheblichen baulichen und vielen verkehrsregelnden Maßnahmen durchführen kann. Noch vor Angebotsabgabe setzte Kübler sich mit allen betroffenen Behörden an einen Tisch um das Machbare abzuwägen. Ziel war es, mit möglichst wenig Maßnahmen und Behinderungen den Dresdner Hafen zu erreichen und von dort die Reise mit einem Binnenschiff auf der Elbe bis nach Hamburg anzutreten.

Ende 2012 gewann Kübler die europaweite Ausschreibung und konnte die Transportausführung für Mitte 2013 anvisieren.

Zwecks Planungssicherheit wurden direkt nach Auftragsvergabe alle erforderlichen Genehmigungen für die Transporte selbst, aber auch die verkehrsrechtlichen Anordnungen für Autobahnsperrungen, Demontagen und Verkehrslenkungen beantragt und in mehreren Sitzungen mit den Behörden und Servicepartnern abgestimmt.

Hochwasser machte einen Strich durch die Rechnung

Nachdem im Sommer 2013 der Transport durch das schwere Hochwasser entlang der Elbe jäh gestoppt wurde, handelte Kübler noch während der Hochwasserphase flexibel und setzte die Elemente aus der Betriebshalle auf einen Ausweichlagerplatz. So konnten alle folgenden Arbeiten beim Absender trotz Hochwasser termingerecht weitergeführt werden.

Nach einer zweimonatigen Pause hatte sich der Pegelstand der Elbe wieder soweit stabilisiert, dass man Prognosen stellen konnte. Relativ kurzfristig realisierte Kübler dann den Weitertransport und arrangierte alle erforderlichen Organisationen innerhalb von zwei Wochen.

Ende September war dann der endgültige Start. Die Strecke führte zunächst über die Rollfelder des Dresdner Flughafens und danach durch eine Öffnung im Luftsicherheitszaun und über temporäre Fahrwege aus Alupanels auf die öffentliche Straße. Hierbei zeigte sich der Flughafen Dresden sehr kooperativ und hilfsbereit und übernahm die gesamte luftseitige Bauleistung und das Genehmigungsverfahren beim Luftfahrtbundesamt.

Die Routineaufgaben auf der weiteren Strecke waren das Abhängen mehrerer Leitungen, Aufstellen von Halteverboten und das Entfernen diverser Verkehrszeichen und Drehen aller Signalausleger.

Slalom auf der Autobahn

Interessant wurde die Passage auf einem Teilstück der BAB A 4: Wegen einiger Schilderbrücken wurde die Richtungsfahrbahn gleich fünfmal über den Mittelstreifen gewechselt. Dieser Slalomlauf konnte präzise ausgeführt werden, weil an allen fünf Überquerungen zuvor die Schutzplanken demontiert und an drei Stellen Stahlplatten in den Grünstreifen gelegt wurden. Kritisch wurde das Wechseln der Fahrbahn in Bereichen, an denen die Fahrbahn einen Höhenunterschied von 40 Zentimetern aufwies. Dank des guten Achsausgleichs am Plattformwagen konnten aber alle Übergänge zügig und sicher überquert werden.

Im weiteren Verlauf der Strecke musste noch Straßenbahnlinie gekreuzt werden. Aber die Oberleitung wäre nicht auf die erforderliche Höhe anzuheben gewesen. Diese Kreuzung wurde durch erneutes Auffahren auf die BAB umgangen.

Im weiteren Verlauf der städtischen Straßen sorgten Breite und Höhe der Ladung dafür, dass die Planer jeden Meter zentimetergenau vermessen mussten. Straßenbäume, Lampen, Schilderbrücken, Werbeplakate und Brückengeländer waren im Weg und es galt, den günstigsten Weg zu finden.

Um nicht mehrere Straßenbäume ausgraben zu müssen, entschied man sich, die jeweils breitere Straßenseite zu nutzen. Dies hatte zur Folge, dass zwei Schilderbrücken wären der Durchfahrt von zwei Kranen angehoben werden mussten. Weiter wurden Ampeln und Lampen ausgegraben, sowie die Ausleger vieler Lampen um 90° aus dem Straßenprofil gedreht.

Nach achtstündiger Fahrt war der Hafen an Sonntagmorgen erreicht und die Mannschaft konnte sich bis zur Umladung am Montag erholen.

Auf der Elbe bis Hamburg

Der Umschlag erfolgte an der Schwergutverladeanlage im Hafen Dresden. Hier wurden zwei Mobilkrane am Kai aufgebaut und das Segment sorgfältig vom Trailer in das Schiff gesetzt. Das kleinere Cockpit wurde anschliessend als Beiladung mit in den Laderaum gesetzt.

Für den Umschlag und Schiffstransport zeichnete die Reederei Imperial-Baris verantwortlich. Die Reise auf der Elbe war wegen der Höhe sehr anspruchsvoll. Einige Brücken konnten nur mit extremer Ballastierung unterfahren werden. Dank des Einsatzes eines doppelwandigen Schiffes konnte immer genug Ballastwasser vor der jeweiligen Brücke aufgenommen werden.

War zuvor das Hochwasser ein Problem, setzte just am Verladetag Niedrigwasser ein. Jetzt war schnelles Handeln gefordert, da die Prognosen keine Besserung versprachen. Mit Hilfe der Wasser- und Schifffahrtsämter konnten die Fahrrinnen nochmals gelotet werden und nachdem einen Tag drauf ein kurzfristiger, leichter Anstieg des Pegels aus Tschechien prognostiziert wurde legte man sofort ab.

Nach einer einwöchigen Reise traf das Binnenschiff in Hamburg am Kai des Airbus-Werkes ein. Kübler setzte für den Umschlag dort das Hamburger Unternehmen Seeland ein, welches des gesamten Umschlag inkl. Traversengestellung übernahm.

Nach zwei Stunden war die große Sektion auf einen Industriehubwagen von Airbus abgesetzt und damit an den Auftraggeber übergeben worden. Es blieb dem Kunden nur noch, sich für die termingerechte und schadensfreie Abwicklung zu bedanken.

Der Dank der Firma Kübler gilt nicht nur unserem Kunden und unseren Subunternehmern, sondern auch allen am Transport beteiligten Behörden, Institutionen und Dienstleistern, welche alle sehr hilfsbereit und flexibel diese Transportdurchführung ermöglicht haben.